Was sind die Wettbewerbsartikel von ABC?

Was sind die Wettbewerbsartikel von ABC? Kreuzreferenzen im Elektrotechnik-Produktportfolio verstehen

Nick Petrovic

Co-Founder

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Wer einen Schaltschrank bestückt, fragt sich selten, ob der verbaute Motorschutzschalter von Siemens, ABB oder Eaton stammt – solange er technisch passt. Genau hier beginnen Wettbewerbsartikel: Sie sind die Antwort auf die Frage, welche Produkte anderer Hersteller das eigene Bauteil ersetzen können. Für Hersteller und Händler elektrotechnischer Komponenten ist diese Information strategisch entscheidend.

Kurzantwort: Wettbewerbsartikel (auch: Kreuzreferenzen oder Cross-References) sind Produkte verschiedener Hersteller mit gleichwertigen technischen Eigenschaften. Ein Siemens-Motorschutzschalter 3RV2011-1AA10 und ein ABB MS116-1.6 sind Wettbewerbsartikel, wenn Auslösebereich, Einbaumaß und Anschlussart übereinstimmen.

Was sind Wettbewerbsartikel?

Wettbewerbsartikel sind Produkte, die in einer konkreten Anwendung gegeneinander ausgetauscht werden können. Sie kommen von verschiedenen Herstellern, erfüllen aber dieselbe Funktion mit vergleichbaren technischen Kennwerten.

Im Elektrotechnik-Bereich (NACE 27) betrifft das zum Beispiel Leitungsschutzschalter (Siemens 5SL6 vs. ABB S200), Schütze (Siemens 3RT2015 vs. Schneider LC1D09), Reihenklemmen (Phoenix Contact UK 2.5 vs. Wago 281-611) oder Motorschutzrelais und Sicherungsautomaten.

Abgrenzung: Wettbewerbsartikel sind nicht dasselbe wie Ersatzteile. Ersatzteile ersetzen ein defektes Bauteil desselben Herstellers. Wettbewerbsartikel ersetzen ein funktionierendes Bauteil durch ein technisch gleichwertiges Produkt eines anderen Herstellers.

Warum sind Wettbewerbsartikel wichtig?

Wer seine Wettbewerbsartikel nicht kennt, verliert Aufträge – ohne es zu merken. Händler und OEMs vergleichen Artikel standardmäßig quer durch Herstellerkataloge. Fehlende Kreuzreferenzen bedeuten: Der Artikel taucht in Suchergebnissen und Vergleichstools nicht auf.

Konkret: Ein Einkäufer sucht nach einer Alternative zum Siemens-Schütz 3RT2015. Er findet Schneider und ABB – aber nicht das eigene Produkt, weil die Kreuzreferenz fehlt. Der Auftrag geht verloren, ohne dass es im eigenen System sichtbar wird.

Für Hersteller wie Murrelektronik, Weidmüller oder Phoenix Contact ist die Pflege von Kreuzreferenzdaten deshalb kein Nice-to-have, sondern operative Grundlage des Vertriebs.

Die wichtigsten Merkmale zur Identifikation von Wettbewerbsartikeln

Technische Hauptkennwerte

Der Abgleich beginnt bei den entscheidenden Parametern: Nennstrom, Nennspannung, Schutzart (IP-Klasse), Betriebsfrequenz, Einbaumaß. Zwei Schütze mit abweichendem Nennstrom sind keine Wettbewerbsartikel – unabhängig von der äußerlichen Ähnlichkeit.

Anschluss und Bauform

Selbst bei gleichen elektrischen Kennwerten schließen unterschiedliche Anschlusstechniken (Schraubanschluss vs. Federklemme) oder abweichende Formfaktoren einen direkten Austausch in vielen Anwendungen aus.

Zulassungen und Normen

Ein Artikel für den US-Markt (UL-Zulassung) ist kein Wettbewerbsartikel zu einem CE-Produkt – auch wenn die technischen Werte übereinstimmen. Marktspezifische Zulassungen begrenzen die Austauschbarkeit zwingend.

Anwendungsbereich

Leitungsschutzschalter für Hausinstallation (NACE 27.33) und Industrieschutzschalter (NACE 27.12) können ähnliche Auslösekennwerte haben – sind aber keine Wettbewerbsartikel, weil sie für verschiedene Anwendungsbereiche zugelassen sind.

Herstellerdokumentation und Datenblätter

Hersteller veröffentlichen oft eigene Kreuzreferenzlisten. Diese sind ein Ausgangspunkt – aber nicht fehlerfrei. Automatisierte Systeme gleichen Produktdaten strukturiert ab und identifizieren Übereinstimmungen auch ohne manuelle Pflege.

Schritt für Schritt: So ermitteln Sie Wettbewerbsartikel

  1. Artikel definieren: Artikelnummer, Hersteller und technische Hauptkennwerte dokumentieren.

  2. Vergleichsklasse bestimmen: Produktkategorie festlegen (Schütz, Klemme, Schutzschalter) – das grenzt die Vergleichsmenge ein.

  3. Technische Parameter abgleichen: Nennwerte, Bauform, Anschlussart und Normen vergleichen. Abweichungen in Pflichtmerkmalen disqualifizieren den Artikel.

  4. Zulassungen prüfen: Nur Artikel mit übereinstimmendem Zulassungsumfang kommen als Kreuzreferenz in Frage.

  5. Kreuzreferenz dokumentieren: Beide Richtungen erfassen – eigener Artikel zu Wettbewerb und Wettbewerb zu eigenem Artikel.

  6. Regelmäßig aktualisieren: Hersteller überarbeiten Produktlinien. Kreuzreferenzen können dadurch ungültig werden.

Häufige Fehler bei der Wettbewerbsanalyse

Nur einen Parameter prüfen: Gleicher Nennstrom allein macht noch keinen Wettbewerbsartikel. Wer Bauform, Zulassung oder Anschlusstechnik ignoriert, riskiert falsche Cross-References – mit direkten Folgen beim Kunden.

Einbahnstraße pflegen: Kreuzreferenzen müssen in beide Richtungen erfasst sein. Wer nur „Siemens X entspricht meinem Y" hinterlegt, aber nicht „mein Y entspricht Siemens X", erscheint nicht in allen Suchanfragen.

Veraltete Daten: Die Siemens-3RV1-Serie wurde durch 3RV2 abgelöst. Wer die alte Kreuzreferenz nicht aktualisiert, führt Kunden in die Irre – und beschädigt das eigene Datenimage beim Händler.

Herstellerlisten blind vertrauen: Kreuzreferenzlisten von Wettbewerbern dienen Vertriebszielen, nicht technischer Präzision. Eigenständige Prüfung der Daten ist Pflicht.

Beispiel aus der Praxis: Schütze im direkten Vergleich (NACE 27.12)

Ein Hersteller von Steuerschränken benötigt einen Schütz für 9 A / 230 V AC und kennt den Schneider LC1D09. Der Lieferant bietet alternativ den Siemens 3RT2015-1AP01 an.

Prüfung:

  • Nennbetriebsstrom: beide 9 A ✓

  • Spulenspannung: beide 230 V AC ✓

  • Baubreite: beide 45 mm ✓

  • Hilfsschalter 1NO: Schneider als Anbaumodul (Ladn10) / Siemens integriert → Unterschied, kein Ausschlusskriterium

  • CE-Zulassung: beide ✓

Ergebnis: funktionale Kreuzreferenz mit Einschränkung beim Hilfsschalterkonzept. Für die Mehrzahl der Anwendungen ist ein direkter Austausch möglich.

FAQ

Was ist der Unterschied zwischen Kreuzreferenz und Ersatzteil?

Ein Ersatzteil ersetzt ein Bauteil desselben Herstellers im Defektfall. Eine Kreuzreferenz ist ein technisch gleichwertiges Produkt eines anderen Herstellers – für dieselbe Anwendung, im regulären Einsatz.

Wie viele Wettbewerbsartikel hat ein typischer Artikel aus NACE 27?

Das hängt vom Produkttyp ab. Standardschütze oder Leitungsschutzschalter haben oft 3–8 direkte Kreuzreferenzen. Spezialisierte Produkte wie Motorschutzrelais mit besonderen Auslösekennwerten können deutlich weniger haben.

Können Wettbewerbsartikel rechtliche Probleme verursachen?

Das reine Benennen von Kreuzreferenzen ist rechtlich zulässig. Kritisch wird es, wenn Markennamen irreführend verwendet oder Artikel fälschlicherweise als baugleich deklariert werden.

Wie aktuell müssen Kreuzreferenzdaten sein?

Mindestens einmal jährlich prüfen. Bei aktiven Produktlinienüberarbeitungen häufiger – vor allem wenn ein Hersteller eine Produktgeneration abkündigt.

Welche Rolle spielen Kreuzreferenzen im Onlinehandel?

Eine entscheidende. Plattformen wie Conrad, Distrelec oder Würth Elektronik zeigen Kreuzreferenzen direkt auf der Artikelseite. Wer dort nicht gelistet ist, verliert Sichtbarkeit – ohne dass es im eigenen CRM sichtbar wird.

Fazit

Wettbewerbsartikel sind kein Vertriebsthema – sie sind ein Kernelement der Produktdatenstrategie. Wer seine Kreuzreferenzen nicht kennt, pflegt und aktualisiert, wird im Marktvergleich unsichtbar. Für Hersteller im NACE-27-Bereich gilt: Mit den volumenstärksten Artikeln anfangen, Kreuzreferenzen systematisch aufbauen und regelmäßig auf Aktualität prüfen. Moderne Product-Intelligence-Lösungen automatisieren diesen Prozess – und machen aus manueller Sisyphusarbeit eine datengetriebene Routine.

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